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Essen, 26. Januar 2006. Für den Fanclub durften Janine und Corinna ein exklusives Interview mit Christian Alexander Müller (Erstbesetzung Phantom) und Fernand Delosch (Erstbesetzung M. André & Cover Phantom) führen. Gestellt wurden Fragen, die zuvor von Mitgliedern des Underground Lair Forums gesammelt wurden.

~~Fragen an Christian Alexander Müller & Fernand Delosch~~

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Frage: Wie bereiten Sie sich auf Rollen vor?

Christian A. Müller: Man schaut sich den Notentext an, wie die Rolle beschaffen ist, lernt den Text und versucht, die eigenen Vorstellungen in die Rolle zu bringen.

Fernand Delosch: Das meiste findet im Probenprozess statt, man fragt sich, was man mit der Rolle gemeinsam hat und wo Unterschiede sind um auch einen Abstand zur Rolle zu bekommen.

Frage: Haben Sie schauspielerische oder musikalische Vorbilder?

Fernand Delosch: Christian (lacht)... Leute, die gesund und gut singen. Ich mag Anthony Warlow sehr gern.

Christian A. Müller: Ich habe eher Leute, von denen ich mich inspirieren lasse, nicht direkt Vorbilder. Ich schau mir DVDs an und höre CDs, wenn ich eine neue Rolle annehme und schaue, was man machen kann.

Fernand Delosch: Anregungen holen finde ich auch gut und richtig, aber es ist nicht gut, wenn man sie kopiert oder reproduziert.

Frage: Was machen Sie in den 10 Minuten unmittelbar vor der Vorstellung, egal in welcher Rolle?

Christian A. Müller: Ich muss eineinhalb Stunden vorher in der Maske sitzen, also dann fängt die optische Vorbereitung an. Eigentlich bereitet man sich aber schon den ganzen Tag vor. Man steht morgens auf und weiß, man muss abends auf der Bühne stehen und deshalb verausgabt man sich nicht.

Fernand Delosch: 10 Minuten vorher? Da gibt es zwei Varianten: Einige Kollegen brauchen vorher das Gespräch mit Kollegen, andere brauchen Ruhe. Ich selbst suche aber dann immer die Ruhe.

Christian A. Müller: Ich suche vorher immer den Kontakt zu Kollegen, weil man als Phantom ansonsten nicht soviel miteinander zu tun hat. Das Ensemble ist ja auch wichtig und deshalb suche ich den Kontakt. Denn ich finde es nicht gut, wenn sich ein Hauptdarsteller von den anderen abgrenzt.

Frage: Herr Müller, wie fühlt man sich, wenn man als jüngstes Phantom in die Geschichte dieses Musicals eingeht? Nervt es Sie, immer wieder auf das Alter angesprochen zu werden?

Christian A. Müller: Für mich hat das nicht die Wertigkeit wie für andere Menschen. Für mich ist das eine Chance, aber es nervt mich nicht. Es gehört dazu und ist vielleicht etwas Besonderes. Ich sehe das eher nüchtern. Wenn ich immer darüber nachdenken würde, würde ich irgendwann Angst haben auf die Bühne zu gehen und das darf nicht passieren.

Frage: Was war für Sie das lustigste Erlebnis während einer Aufführung?

Fernand Delosch: Man fühlt die Maske nicht und denkt manchmal, man hat die Maske vergessen, denn man trägt ja eine andere “Maske” drunter.

Christian A. Müller: Man vergisst es manchmal. Ich bin manchmal auf dem Weg zur Bühne und weiß nicht ob ich die Maske trage. Ansonsten ist die Rolle viel zu ernsthaft, als dass es lustig ist. Es ist auch eine zu schwere Rolle vom Anspruch und vom Notentext. Man muss richtig ackern, um die Rolle gut zu machen. In dieser Rolle ist es zu dramatisch und man hat keine Zeit während des Stücks Halligalli zu machen, was bei manchen anderen Stücken manchmal möglich ist. Jede Albernheit, die ich machen würde, würde man sehen und das wäre nicht angebracht.

Frage: Der Beruf ist mit vielen Umzügen verbunden. Lebt man da eher provisorisch “aus dem Koffer” oder macht man es sich erst recht schön in seiner Wohnung, um ein “Nest” zu haben?

Fernand Delosch: Es gibt unterschiedliche Leute. Bei mir ist es so, dass ich CDs, Bücher etc. in Kisten habe. Ich bin in den letzten Jahren 10 – 20 mal umgezogen und irgendwann denkt man praktisch und nicht mehr großkotzig.

Christian A. Müller: Es nützt ja auch nichts, eine tolle Wohnung zu haben wenn man fast nie zuhause ist.

Fernand Delosch: Ich bin immer gern da, wo ich gerade spiele und habe keine Wohnung irgendwo in Berlin oder so. Das finde ich etwas schizophren.

Christian A. Müller: Beim Leben in En-suite-Shows ist man ständig unterwegs und braucht immer ein Gefühl von einem Zuhause. Aber da ist jeder anders.

Frage: Herr Delosch, welche Rolle macht Ihnen mehr Spaß: das Phantom oder Monsieur André?

Fernand Delosch: Ich spiele beide Rollen sehr gern. André liegt mir vom Naturell besser, weil ich auch eher extrovertiert bin, das Phantom ist dann für mich eine größere Herausforderung, weil man für diese Rolle Ruhe braucht.

Frage: Wenn Sie Ihre Rolle noch einmal angeboten bekommen würden, würden Sie zusagen, oder haben Sie erst einmal genug?

Fernand Delosch: Ich würde nicht mitziehen und hätte erst einmal genug.

Christian A. Müller: Es ist ein Beruf und man muss sich das genau überlegen. Wenn man mir die Rolle anbietet, weiß ich, ich habe ein Jahr lang Arbeit und dann muss man das abwägen. Ich müsste aber auch überlegen. Ich habe noch Spaß an der Rolle, aber man muss vorsichtig sein. Wenn man so etwas zu lange macht, kann es schwierig werden.

Frage: Vermissen Sie an Feiertagen wie beispielsweise Weihnachten und Silvester ihre Freunde oder Familie mehr als sonst und wären lieber dort als auf der Bühne oder nehmen Sie den Tag gar nicht als Feiertag wahr, weil es ein ganz normaler Arbeitstag ist?

Fernand Delosch: Ich habe meine Familie hier, meine Mutter lebt 2 Stunden von hier. Ich mache seit 10 Jahren den Beruf und dann ist man daran gewöhnt.

Christian A. Müller: Das geht mir auch so, denn ich bin seit ich 10 bin in diesem Beruf. Es ist nicht immer einfach, aber man gewöhnt sich daran. Familie und Freunde zu haben ist nie so einfach! Der Beruf geht da in gewisser Weise vor. Egal was ist, die Vorstellung muss stattfinden!

Fernand Delosch: Als mein Vater gestorben ist, hatte ich z.B. nur 3 Tage Zeit zum Trauern, dann musste ich wieder auf der Bühne stehen.

Frage: Haben Sie schon Pläne nach dem Phantom?

Fernand Delosch: Für mich ist es schwierig, weil das Phantom so kurzfristig abgesetzt wurde. Ich war darauf eingestellt, dass das Phantom bis Juli läuft. Für mich ist jetzt Arbeitssuche angesagt.

Christian A. Müller: Ich werde mich meinen Ursprüngen, den klassischen Studien widmen. Das wollte ich damals schon nach “Les Misérables” in Berlin tun. Ich werde die Bayreuther Festspiele 2007 machen und mich vermehrt dem klassischen Bereich widmen.

Frage: Ist es einfach für Sie, in eine Rolle zu schlüpfen und auch wieder “herauszukommen”? Wie machen Sie das?

Christian A. Müller: Ich schlüpfe nie in eine Rolle, es ist so, dass ich die Rolle zu mir kommen lasse. Ich versuche, mit der Rolle zusammenzukommen. Die Gefühle und Situationen sind ja alles menschliche Dinge, die man irgendwann erfahren hat oder erfahren wird, von daher ist es eher eine Flucht dort hinein.

Fernand Delosch: Am Anfang ist es schwieriger in die Rolle hineinzukommen. Das Kostüm hilft einem, die Schwere des Kostüm, die Maske, die Schuhe… das bewirkt etwas in mir. Beim Phantom ist der Ring z.B. ein wichtiges Requisit und die Musik. Es spielt alles zusammen.

Christian A. Müller: Es ist auch ein Unterschied, wie oft man die Möglichkeit hat, eine Rolle zu spielen. Anfangs ist man froh, wenn man weiß, wo man stehen muss und welcher Text auf die Musik passt.

Fernand Delosch: Je öfter man die Rolle spielt, desto einfacher wird es dann mit der Zeit.

Frage: Haben Sie eine Lieblingsszene?

Fernand Delosch: Ich finde die Grabszene sehr schön, wenn das Phantom “Rührendes Kind…” singt, das finde ich sehr berührend und unheimlich.

Christian A. Müller: Das hängt auch von der Tagesform ab. Bei mir passiert am meisten in der letzten Szene, also im Final Lair. Ich kann mich da oft abreagieren. Ich kann mich ja sonst nicht einfach hinstellen und heulen oder rumschreien, auch wenn ich das manchmal möchte, und das kann ich dann in dieser Szene rauslassen.

Fernand Delosch: Die Szene finde ich auch sehr schön, denn man kommt dann sehr tief zu seinen Emotionen. In der heutigen Gesellschaft soll man keine Emotionen zeigen, bei uns kann man das im Beruf, das ist das Schöne an dem Beruf.

Frage: Welcher andere Charakter des Musicals hätte Sie als Darsteller gereizt?

Fernand Delosch: Ich hätte sehr gern noch mal Reyer gespielt, sowie auch Raoul, aber ich bin nicht der Typ für die Rolle Raoul.

Christian A. Müller: Ich habe fast alle gespielt.

Frage: Gibt es etwas, das Sie an Ihrer Rolle ändern wollen würden?

Christian A. Müller: Was mir an dem Film gefällt, obwohl ich den sonst nicht so sehr mag, ist, dass das Phantom ein ganz normaler Mensch ist und alles logisch erklärt wird. Das würde ich im Stück vielleicht mehr herausheben wollen. Das wäre moderner und würde die Figur menschlicher erscheinen lassen. Man weiß z.B. nicht, warum Carlotta anfängt zu quaken und das sollte man erklären. Ich denke aber, das Stück ist gut gemacht, es funktioniert ja schon seit 20 Jahren.

Fernand Delosch: Weil es so gut funktioniert, macht man sich meist auch keine Gedanken, ob man etwas ändern soll oder nicht.

Christian A. Müller: Der Reiz ist, wie man die Vorgabe der anderen nutzen und füllen kann und eigene Ideen einbringen kann.

Frage: Sehen Sie sich manchmal die Leute im Publikum von der Bühne aus an, beim Schlussapplaus beispielsweise?

Fernand Delosch: Ich bin kurzsichtig und habe keine Brille auf und sehe maximal die erste Reihe.

Christian A. Müller: Bei mir ist es ähnlich (deutet auf seine Brille). Man schaut ins Licht und sieht wenig. Die letzten 20 Minuten sind auch so intensiv, dass man erst mal runterkommen muss und man ist kaputt. Also ist man beim Schlussapplaus meist noch eine Art Phantom.

Fernand Delosch: Man ist noch in der Emotion drin, man kann nicht so schnell umschalten.

Christian A. Müller: Würde das Phantom 10 Minuten eher aufhören, hätte man die Zeit runterzukommen, aber so ist man noch drin.

Frage: Was war das schönste und unangenehmste Erlebnis mit einem Phan (Phantom der Oper-Fan)?

Christian A. Müller: Ich weiß, dass es jemanden gibt, der mich fünfmal am Tag im Theater anruft und mich sprechen will, aber das wird nicht mehr durchgestellt. Ansonsten habe ich keine schlechten Erfahrungen. Ich weiß, dass man im Internet oft zerpflückt wird, aber das ist auch meistens respektvoll.

Fernand Delosch: Kritiken - oder auch fast üble Nachreden - darf man nicht ernst nehmen. Mir sind Kritiken von Freunden, Kollegen und Vorgesetzten viel lieber, weil ich weiß, dass sie es ehrlich meinen. Ich habe bewusst kein Gästebuch auf meiner Seite und will auch bewusst keinen Fanclub. Es gibt immer solche und solche Fans. Ich finde Fans immer noch wichtig, schon allein aus Marketinggründen. Fan liegt sehr nah an “fanatisch” und das ist immer ein Problem.

Christian A. Müller: Fan hat leider den Touch des Negativen, wo man denkt, ob das sein muss? Wir sind Teil des Lebens anderer und einige Fans glauben manchmal, es müsste umgekehrt genauso sein und das ist nicht der Fall.

Fernand Delosch: Dafür sind Homepages gut. Wenn mir jemand zu nahe kommt, dann verweise ich ihn immer auf meine Homepage.

Frage: Eine ganz spezielle Frage zum Schluss: Glatze lösen? Allein oder macht das der Maskenbildner?

Christian A. Müller: Ich reiße das einfach ab, ich bin da ganz sadistisch. Ratsch und weg.

Fernand Delosch: Ich nehme viel Aceton und medizinische Pflege.

Christian A. Müller: Es ist furchtbar, immer alles drauf und runter. Wenn ich Doppelvorstellung habe, lasse ich es auch drauf. Es juckt fürchterlich unter der Glatze.

Wir danken den beiden Herren für das nette Interview.



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