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Dieses Interview samt Fotos darf nicht - auch nicht auszugsweise - ohne Rücksprache auf eigenen bzw anderen Homepages und Foren veröffentlicht werden!

Essen, 26. Januar 2006. Nachdem wir bereits ein Interview Christian Alexander Müller (Erstbesetzung Phantom) und Fernand Delosch (Erstbesetzung M. André & Cover Phantom) führen durften, nahmen sich auch noch Anne Görner (Erstbesetzung Christine Daaé) und Nikolaj Alexander Brucker (Erstebestetzung Raoul, Vicomte de Chagny) Zeit für die Fragen des Fanclubs. Gestellt wurden Fragen, die zuvor von Mitgliedern des Underground Lair Forums gesammelt wurden.

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Fragen an Anne Görner & Nikolaj Alexander Brucker

Frage: Hat man nach so vielen Auftritten immer noch Lampenfieber?

Anne Görner: Ich habe immer Lampenfieber. Natürlich stellt sich mittlerweile nach so vielen Shows eine gewisse Routine ein, aber ich bin immer ein wenig nervös.

Nikolaj A. Brucker: Man ist nicht angstgeschüttelt, aber ein bisschen Anspannung ist immer da.

Frage: Können Sie sich noch an das “erste Mal” erinnern, als Sie auf einer Bühne gestanden haben?

Nikolaj A. Brucker: Ich stand zum ersten Mal mit vier auf der Bühne, daran erinnere ich mich aber nicht mehr. Als ich fünf oder sechs war, kann ich mich erinnern, da hat mich meine Großtante an der Hand gehalten und ist mit mir über die Bühne gegangen.

Anne Görner: Das war beim Kinderballett am Kieler Opernhaus, ich glaube. es war “Der Nussknacker”. Ich war ein Fliegenpilz. Musste mich gegen die Champignons behaupten (lacht).

Frage: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor? Wie lernen Sie Ihre Texte? Und wie stellen Sie sich auf die Rolle ein?

Anne Görner: Vor den ersten Proben lese und lerne ich den Text und mache mir so meine Gedanken zum jeweiligen Charakter. Die Rolle aber erarbeitet man sich während der Probenzeit zusammen mit Regisseur und Kollegen.

Nikolaj A. Brucker: Text lesen, Text lesen, Text lesen, um ihn zu verinnerlichen, irgendwann dann lernen. Wenn die Rolle historisch belegt ist, lese ich auch Hintergrundinformationen. Ansonsten halte ich im Alltag die Augen offen, um Situationen und Verhaltensmuster zu finden, die man für die Rolle brauchen kann.

Anne Görner: Und wenn das Stück in einer bestimmten Zeit spielt, wie ja auch das “Phantom der Oper”, dann ist die Körperlichkeit auf der Bühne eine andere, also Körperhaltung, Gestiken. Das muss man sich auch bewusst machen.

Nikolaj A. Brucker: Die Haltung war dem Regieteam von “Das Phantom der Oper” sehr wichtig. So würde ich mich sonst nie auf der Bühne bewegen, aber hier war es nötig.

Frage: Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus wenn Sie Vorstellungen geben?

Anne Görner: Nachbarn ärgern (lacht) –nein! Ich habe keinen geregelten Tagesablauf, jeder Tag sieht anders aus. Auf jeden Fall erstmal einen Kaffee trinken, schauen, ob die Stimme sitzt, Üben und eventuell Sport machen… Dann gibt es ja auch noch ab und zu Proben….

Nikolaj A. Brucker: Ein wenig Frühsport, und dann vergammle ich viel Zeit beim Frühstück, schaue z.B. eine Folge “24”, trinke Kaffee. Danach ist alles offen.

Frage: Der Beruf ist mit vielen Umzügen verbunden. Lebt man da eher provisorisch “aus dem Koffer” oder macht man es sich erst recht schön in seiner Wohnung, um ein “Nest” zu haben?

Anne Görner: Da ich an den freien Tagen fast immer nach Berlin fahre, lebe ich schon mit und aus dem Koffer. Aber wichtig ist, dass ich mich wohl fühle. Dazu gehört schon, dass ich es mir gemütlich mache, mir Blumen kaufe, etc. Hier in Essen hatte ich großes Glück und habe eine schöne, möblierte Wohnung gefunden, übrigens mit wunderbaren Nachbarn.

Nikolaj A. Brucker: Ich kaufe keine Blumen (lacht). Ich bin zur Zeit 2 Tage die Woche bei meiner Freundin im Süden, ansonsten hier. Zur Zeit lebe ich nicht aus dem Koffer, aber was noch kommt, weiß man nicht.

Frage: Haben Sie schon einmal den Text vergessen und sich deshalb einen spontanen, anderen Text aus den Fingern gesogen?

Anne Görner:
Zum Glück noch nicht. Nichts ist schlimmer als ein Blackout. Ich hatte wohl schonmal Textdreher, oder habe mich verhaspelt, aber mehr auch nicht.

Nikolaj A. Brucker: Im Schauspiel musste ich schon öfters improvisieren. Es fällt mir schwer, bei Songs “draufzudichten”. Im Schauspiel ist das einfacher, hier kann man sich kaum was einfallen lassen, weil der Song längst zu Ende ist, bis ich was passendes gedichtet habe.

Frage: Wenn Sie nicht auf der Bühne stehen würden, was wäre jetzt Ihr Beruf?

Anne Görner: Tiere filmen und auf Expeditionen gehen, so á la Grzimek… Ich liebe Musik und ich liebe Tiere. Ich hatte die Wahl vor dem Studium auf Sylt bei der Vogelstation ein soziales Jahr zu machen oder Gesang zu studieren. Aber dann klappte es mit der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule und so bin ich Sängerin geworden.

Nikolaj A. Brucker: Mit 12 stand fest, dass ich Schauspieler werden wollte… Als Kind wollte ich Polizist oder Detektiv werden.

Frage: Haben Sie eine Lieblingsszene im Musical “Das Phantom der Oper”?

Nikolaj A. Brucker: Meine Lieblingsszene ist “Final Lair”. Das ist für Raoul die actiongeladenste Szene, und macht mir am meisten Spaß.

Anne Görner: Für mich ist auch Final Lair eine der Lieblingsszenen, da sie so wahnsinnig emotional ist und nochmal das ganze Beziehungsdilemma zwischen den Dreien aufzeigt. Vor allem agiert hier Christine das erste Mal, wo sie vorher immer zum Reagieren gezwungen ist, d.h. sie kann endlich mal Stärke zeigen. Ansonsten gibt es für Christine viele schöne, sehr unterschiedliche Momente in der Show, die ich sehr mag, z.B. Rooftop, die Grabszene finde ich sehr ergreifend, Don Juan…

Frage: Haben Sie schon einmal Phanfiction gelesen?

Anne Görner: Nein.

Nikolaj A. Brucker: Nein.


Frage: Haben Sie die literarischen Vorlagen zum Phantom der Oper gelesen: Susan Kays “Phantom” oder Gaston Leroux?

Anne Görner: Ja, beide.

Nikolaj A. Brucker: Nein.

Frage: Haben Sie sich bzw Sie Ihre Rolle im vergangenen Jahr weiterentwickelt, auch durch die ständig wechselnden Phantome?

Nikolaj A. Brucker: Es lag weniger an den Darstellerwechseln, dass die Rolle sich entwickelt hat. Die meiste Entwicklung geschieht durch das Zusammenspiel mit den Leuten, die länger da sind. Die Regie hat aber auch sehr strikte Vorgaben, so viel entwickeln kann man in diesem Stück nicht.

Anne Görner: Ich versuche stets, die Rolle, die ich spiele, weiterzuentwickeln. Aber auch mit jedem wechselnden Darsteller hat sich meine Christine immer etwas verändert, denn jeder der Phantome hat trotz enger Regievorgaben seine eigenen Vorstellungen und Persönlichkeit eingebracht. Das ermöglicht es mir wiederum, neue Facetten und Denkanstösse zu meiner Rolle zu finden. Und wenn man eine Partie so lange am Stück spielt, dann ergibt sich auch durch die eigene, persönliche Entwicklung immer wieder Neues.

Frage: Herr Brucker, was tut man als Darsteller während des Blitzes bei der Auktion? Augen zumachen?

Nikolaj A. Brucker: Ich mache die Augen nicht zu. Ich schaue grob in die Richtung, hoffe, dass der Blitz mich nicht erwischt, und mittlerweile die Hand hoch.

Frage: Hat man nach der x-ten Vorstellung “Phantom” noch richtig Lust auf die Rolle, oder hängt Ihnen das manchmal zum Hals raus und man denkt sich “heute würde ich lieber im Bett bleiben”?

Anne Görner: Es kommt schon vor, dass ich keine Lust habe, wer kennt das nicht! Aber spätestens, wenn ich die Bühne betrete, ist das alles vorbei und ich freue mich ganz einfach. Die Christine zu singen und spielen bringt mir jedes Mal sehr viel Spaß.

Nikolaj A. Brucker: Nach einem Jahr denkt man schon mal, dass es genug ist, aber wenn man auf der Bühne steht, macht es dann wieder Spaß. Es ist schwierig, siebenmal die Woche dasselbe zu spielen, ohne zu routiniert zu sein.

Frage: Frau Görner, hätten Sie sich als Anne auch für Raoul entschieden?

Anne Görner: Kann ich wirklich nicht beantworten. Sind beide nicht wirklich mein Typ…..nichts gegen Dich, Nikolaj…(lacht)

Frage: Was haben Christine und Anne, bzw Raoul und Nikolaj gemeinsam? Was nicht?

Anne Görner: Christine kommt ständig zu spät, auch eine Unart von mir (lacht)… ansonsten habe ich nicht viel mit Christine gemeinsam. Außer vielleicht, dass ich auch gern manchmal vor mich hinträume.

Nikolaj A. Brucker: Ich sehe so ähnlich aus (lacht).

Anne Görner: Und ich singe.

Frage: Wie haben Sie sich auf den vermehrten Phantomdarstellerwechsel eingestellt?

Anne Görner: Ich bin unvoreingenommen in die Proben gegangen und habe es auf mich zukommen lassen.

Nikolaj A. Brucker: Einerseits ist man traurig, wenn die Kollegen gehen, andererseits freut man sich auch über die Abwechslung.

Anne Görner: Insgesamt war es schon anstrengend für alle, denn es gab immer wieder neue Proben und Put Ins, aber jeder “Neue” brachte auch wieder neue Energie mit. Das motiviert natürlich.

Frage: Gibt es etwas an Ihrer Rolle, das Sie gerne ändern würden?

Anne Görner: Da gäbe es eine lange Liste… (lacht)

Nikolaj A. Brucker: Ich würde den Typen gern kämpferischer machen, denn Raoul ist ja eher passiv.

Frage: Haben sie musikalische/schauspielerische Vorbilder, wenn ja welche?

Anne Görner: Mit Vorbildern tue ich mich schwer, denn ich finde, man sollte niemanden nachahmen. Ich bewundere schon z.B. Edita Gruberova oder Maria Callas, aber direkte Vorbilder habe ich nicht.

Nikolaj A. Brucker: Die Vorbilderzeit ist bei mir auch vorbei. Als Teenie hatte ich Vorbilder, aber das schwächt sich dann ab. Es gibt viele Leute, die ich bewundere, aber ich kann keine jetzt benennen und will niemand hervorheben.

Frage: Sehen Sie sich manchmal die Leute im Publikum von der Bühne aus an, beim Schlussapplaus beispielsweise?

Nikolaj A. Brucker: Ich bin sowieso kurzsichtig, da spare ich mir das Gucken.

Anne Görner: Ich finde es eher irritierend, während eines Stückes das Publikum zu sehen, es sei denn, die Rolle verlangt es und man spricht das Publikum direkt an und spielt damit. Beim Applaus suche ich schon den Kontakt zum Publikum.

Frage: Welche drei “Dinge” würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Nikolaj A. Brucker: Meine Freundin, eine große Kiste mit unseren beiden Katzen und meinen Mac.

Anne Görner: Meinen Freund, Kartenspiele und ne Buddel Rum…

Frage: Welches war die letzte CD, die Sie sich gekauft haben?

Anne Görner: Mahler 2. Sinfonie, mit Abbado….

Nikolaj A. Brucker: Carla Bruni “No promises”.

Frage: Welches war das letzte Buch, das Sie gelesen haben?

Nikolaj A. Brucker: Von Neil Gaiman “Fragile Things”.

Anne Görner: Ich lese grad mehrere Bücher gleichzeitig, aber ich glaube, es war “Naked” von David Sedaris.

Frage: Was für Musik bevorzugen Sie abseits der Bühne?

Anne Görner: Von Klassik - Mahler, Strauss - bis Pop, Jazz - gemischt.

Nikolaj A. Brucker: Alles gemischt. Allerdings kein Schlager, keine volkstümliche Musik. Ich bevorzuge Jazz und alternativen Rock.

Frage: Gibt es für Sie eine Traumrolle?

Nikolaj A. Brucker: Ich will mich da nicht festlegen - es gibt zu viele gute Rollen.

Anne Görner:
Es gibt einiges, was ich gern spielen möchte. Sicher ist Christine schon eine der Musical -Traumrollen, so wie Maria in West Side Story. In der Oper gibt es zuviel, als dass ich mich festlegen möchte, aber ich liebe z.B. R. Strauss, ” Ariadne” oder “Rosenkavalier”…..

Wir bedanken uns für das nette Interview.



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